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Spielmannszug Freiwillige Feuerwehr Stadt Eschweiler 1910
© Spielmannszug Freiwillige Feuerwehr Stadt Eschweiler

Der Neuanfang

Bei aller Freude über die „Wiedergeburt“ des Trommler- und Pfeiferkorps 1923 darf man schon daran erinnern unter welchen schwierigen Bedingungen die Bürger lebten. Die Anfänge der 20er Jahre, im Volksmund die „goldenen Zwanziger“ genannt, waren von der Geldentwertung (Inflation) gekennzeichnet. Die Preise für die Grundnahrungsmittel stiegen in unvorstellbarer Höhe. So kosteten im Dezember 1923 1 kg Kartoffeln 90 Milliarden, 1 Ei 320 Milliarden, 1 Liter Milch 360 Milliarden und 1 Pfund Butter 2800 Milliarden Mark. Löhne und Gehälter wurden nach Auszahlung mit Waschkörben in die nächsten Geschäfte getragen, bevor die nächste Preiserhöhung kam. Unter diesen Lebensbedingungen wurde dem Spielmannszug seitens der Besatzungsbehörde 1923 die Genehmigung zum Spiel erteilt. Die zurückgekehrten Spielleute nahmen ihre 1910 begonnene Vereinsarbeit unter dem Namen „Kameradschaftliche Vereinigung“ wieder auf. Dank der umsichtigen Vereinsführung (Vorsitzender Heinrich Rinck) und der hervorragenden Kameradschaft wurde unter diesem Namen der Probe- und Spielbetrieb wieder aufgenommen. Langsam aber sicher formierte sich das Korps durch Neuzugang junger Kräfte zu einem stattlichen und leistungsfähigen Spielmannszug, das nicht nur im städtischen, sondern auch überörtlich immer häufiger zu Auftritten verpflichtet wurde. Die Leistungssteigerung war nur möglich, weil sich die älteren Spielleute, mit besonderem Fleiß und Engagement um die Ausbildung des jugendlichen Nachwuchses kümmerte. Erwähnenswert ist noch, dass mit der Ausgabe einer neuen Währung, der sog. Rentenmark, am 15. November 1923 die Inflationszeit beendet wurde. Für das Jahr 1929 ist ein bemerkenswertes Ereignis zu vermelden: Zu Karneval 1929 fand nach 15 jähriger Unterbrechung auf Anregung der KG Blaue Funken Röthgen wieder ein großer Rosenmontagszug statt. (Mit Ausnahme der KG Scharwache) Bei aller Freude hatte man aber die Rechnung ohne das Wetter gemacht!  Bei - 12° C setzte sich der Zug in Begleitung der Musikzüge in Bewegung. Nach wenigen Metern waren die Blasinstrumente und Flöten schon eingefroren. Der starke Frost hatte sie außer Gefecht gesetzt. Leider hatte die langsam wieder aufblühende deutsche Wirtschaft durch den New Yorker Börsencrash am 25.Oktober 1929 und die nachfolgende Weltwirtschaftskrise einen herben Rückschlag erfahren, der noch Jahre später seine Auswirkungen zeigen sollte. Wegen der allgemein herrschenden Not, die Arbeitslosenzahlen stiegen ständig, (wie sich heute die Zeiten gleichen) viele Familien fehlte es am Allernotwendigsten geriet das Vereinsleben aus den Fugen. (s. „150 Jahre Eschwiele Fastelovend“ Seite 73 von Josef Carduck) Trotz dieser enormen Probleme hielt das Korps fest zusammen. In der Not half jeder jedem. Die Kameradschaft und die erbrachten Leistungen, in dieser schwierigen Zeit, mögen Vorbild für die heutige Spielgeneration sein. Ein weiterer Schicksalsschlag ereignete sich am 21.Februar 1931. Durch eine Schlagwetterexplosion auf der Grube „Reserve“ fanden 32 Bergleute den Tod. Die Beisetzung erfolgte unter großer Anteilnahme der Bevölkerung. Im Dezember 1931 erließ der Regierungspräsident des Regierungsbezirks Aachen eine Polizeiverordnung, wonach Umzüge jeder Art verboten wurden. Die Gründe waren die Notlage des Volkes und die gespannte politische Lage. Die Arbeitslosenzahl war auf 6 Millionen angestiegen. In Deutschland war am 30. Januar 1933 eine folgenschwere politische Entscheidung gefallen. Der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg hatte Adolf Hitler, den Führer der NSDAP, zum Reichskanzler berufen. Damit begann für das Deutsche Volk eine Epoche des Schreckens und des Grauens, das nach zwölf Jahren im Chaos endete.
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                  letzte Aktualisierung: 06.01.2017
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